Mel Bonis

Mel Bonis


Auf Bilder klicken

(1858 – 1937)

Mel (Melanie) Bonis stammt aus einer bescheidenen Familie des Pariser Kleinbürgertums. Eine musikalischen Laufbahn ist für sie eigentlich nicht vorgesehen. Doch das häusliche Klavier übt schon sehr früh eine große Anziehung auf sie aus und so beschäftigt sie sich ungeachtet der eher mißbilligenden Haltung ihrer Familie bis zum Alter von zwölf Jahren ganz allein mit dem Instrument. Erst unter dem Einfluß eines Freundes entscheiden sich ihre Eltern schließlich für eine angemessene musikalische Ausbildung. Aufgrund ihrer außergewöhnlichen Begabung wird Mel Bonis César Franck vorgestellt, der ihr 1876 die Türen des Pariser Konservatoriums öffnet. Bis 1881 studiert sie Harmonielehre, Klavierbegleitung und Komposition. In der Gesangsklasse begegnet sie Amédé Landely Hettich, einem brillianten jungen Mann, der sich bereits als Musikkritiker in Paris einen Namen gemacht hat. Ihre Eltern widersetzen sich jedoch der Heirat und zwingen sie, das Konservatorium zu verlassen, um die beiden voneinander zu trennen. Und so muß Mel Bonis, Preisträgerin für Klavierbegleitung und Harmonielehre und vielversprechende Kompositionsschülerin, ungeachtet ihres Erfolges das Studium aufgeben.

1883 heiratet sie auf Drängen ihrer Eltern den zweifach verwitweten Albert Domange, einen dynamischen Industriellen, der bereits fünf Söhne hat und 25 Jahre älter ist als sie. Zehn Jahre lang führt sie ein gänzlich den familiären Pflichten gewidmetes großbürgerliches Leben. Sie erzieht ihre Stiefsöhne und schenkt selber ihrem Mann drei Kinder.

Der Zufall führt sie dann wieder mit Hettich zusammen, der im Pariser Musikleben inzwischen einen wichtigen Platz einnimmt. Er ist ihr noch immer nah und ermuntert sie, wieder zu komponieren. Aus dieser heimlichen Verbindung geht ein viertes Kind hervor, das unter dramatischen Umständen zur Welt kommt und versteckt aufwächst. Der damit verbundene Konflikt zwischen Gefühlen und Pflichtauffasssung wird Mel Bonis unauflösliche Schuldgefühle verursachen.

Ihr Werk umfaßt 60 Klavierstücke, dazu noch Kompositionen für vier Hände, für zwei Klaviere, und pädagogische Sammelhefte, 27 Melodien, darunter ein Dutzend für zwei oder mehr Stimmen, 25 religiöse Vokalwerke, 30 Orgelkompositionen, 20 Kammermusikstücke, darunter 3 Sonaten für Flöte, Violine, Cello und Klavier, zwei Quartette für Streicher und Klavier, eine Suite im alten Stil für sieben Bläser und ein Septett als " Grande fantaisie " für Klavier, zwei Flöten und Streichquartett, sowie elf Orchesterstücke, darunter die " Suite en forme de valse " und die " Bourrée-Pavane-Sarabande ".

Ihre im wesentlichen romantische Musik ist reich an harmonischer und melodischer Inspiration. Im Laufe der Jahre nimmt ihr Stil raffinierte impressionistische Färbungen an, gewinnt an neuen rhythmischen Mustern und entfaltet auch humoristische Züge. Ihre wichtigsten Auftraggeber zählen zu den renommiertesten Verlegern von Paris: Alphonse Leduc, Eugène Demets, Max Eschig und Maurice Sénart.

Zwischen der Jahrhundertwende und dem 1. Weltkrieg bemüht sich Mel Bonis, ihre Werke bekannt zu machen und aufführen zu lassen. Als Preisträgerin von Kompositionswettbewerben werden ihre Kompositionen in den Salons und in den Konservatorien gespielt. Sie kommt auch in die großen Pariser Konzertsäle (ins Châtelet), doch nicht oft genug, um den Bekanntheitsgrad zu erreichen, den sie verdient hätte.

Zahlreiche Briefwechsel zeugen von der Wertschätzung, die sie unter den Musikern und Komponisten ihrer Zeit genoß. Am Anfang des Jahrhunderts, als ihre Musik zur eigentlichen Reife gelangt, unterstützt sie niemand mit Rat und Tat bei der öffentlichen Verbreitung ihrer Werke. Im Zuge des 1. Weltkrieges ändern sich die Sitten und die Künste rebellieren gegen die Traditionen. Diese Veränderungen beunruhigen Mel Bonis, die mit zunehmendem Alter ihre Anpassungsfähigkeit verliert. Sie ist zu stark von ihrer Erziehung geprägt und psychisch zu zerbrechlich. Sie flüchtet sich immer leidenschaftlicher in die Religion. Die letzten 15 Jahre ihres Lebens verbringt Mel Bonis liegend, krank und einsam, obwohl sie weiter an ihrer Musik arbeitet. Sie ist aber zu schwach, um sich um die Aufführung ihrer Werke zu kümmern. In einem Brief an ihre Tochter schreibt sie zu ihrem " Chant Nuptial " (Hochzeitsgesang, Hamelle 1928) : "Mein großer Kummer : nie meine Musik zu hören."